Länder. / Östliches und Südliches Afrika. /

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Ruanda.
Konfliktkontext
Der ruandische Genozid gilt seit April 1994, als die damalige Hutu-Regierung gegen die Tutsi-Minderheit eine barbarische Vernichtungskampagne zu organisieren begann, als der Extremfall ethnisch motivierter politischer Gewalt in Afrika. Die Begriffe “Hutu” und “Tutsi” sind jedoch soziale Kategorien, da die einheitliche Sprache und Kultur der beiden Gruppen einer ethnischen Abgrenzung widersprechen. Hinzu kommt, dass es auf lokaler Ebene nie eine Trennung der Siedlungsräume gab. Die belgische Kolonialverwaltung hat jedoch die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen aus machtpolitischem Kalkül akzentuiert und damit einen Prozess der Ethnifizierung forciert, dessen indirekte Folge die Ereignisse von 1994 waren.
Als Reaktion auf die Willkür dieses Vorgehens und mit Verweis auf das vorkoloniale Einvernehmen, hat die heutige Regierung die Bevölkerung verfassungsgemäß dazu verpflichtet, jede ethnische Spaltung zu bekämpfen und sich als einiges ruandisches Volk zu verstehen. Die krisenpräventive Zielrichtung dieser Politik steht allerdings im Zeichen des grundlegenden Dilemmas zwischen dem Verlangen nach Gerechtigkeit für begangene Taten und der Notwendigkeit für Versöhnung als Basis für eine gemeinsame Zukunft der Bevölkerung. Hinzu kommt, dass die von unberechenbarer politischer Gewalt geprägte Situation in der benachbarten ostkongolesischen Kivu-Region auf den innerruandischen Versöhnungsprozess ausgesprochen destabilisierend wirkt.
Handlungsfelder des ZFD
Um zur Vermittlung der inhärenten gesellschaftlichen Widersprüchlichkeiten beizutragen, konzentriert sich das Engagement des ZFD auf zwei Handlungsfelder. Einerseits auf die Reintegration und Rehabilitation der von Gewalt besonders betroffenen Gruppen, wo insbesondere durch psychosoziale Traumabearbeitung seit Programmbeginn im Jahr 2001 eine Unterstützung erfolgt. Bestand die Zielgruppe zunächst im Wesentlichen aus Genozidüberlebenden und deren Familien, wird es künftig darauf ankommen, die psycho-soziale Programmarbeit für weitere Bevölkerungsgruppen zu öffnen. Die Herausforderung besteht dabei insbesondere darin, auch Bürgerinnen und Bürger anzusprechen, die den ruandischen Genozid und seine Folgen nicht ausschließlich aus der Opferperspektive reflektieren. Für die Partnerorganisationen des ZFD ist es in diesem Zusammenhang eine besondere Herausforderung, das Setting der Taumabearbeitung mit gedenkpädagogischen Methodenansätzen und Fragestellungen zur Erinnerungskultur zu verknüpfen.
Andererseits erfolgt die ZFD-Arbeit im Handlungsfeld Beratung und Trainingsmaßnahmen zu Instrumenten und Konzepten Ziviler Konfliktbearbeitung. Erfolgte in der ersten Programmphase eine Fokussierung auf Friedenspädagogik und Menschenrechtserziehung, so steht künftig die Verbesserung der methodischen Kenntnisse und Fertigkeiten der Zivilen Konfliktbearbeitung im Mittelpunkt. Diese strategische Neuausrichtung ist der Tatsache geschuldet, dass die ruandische Gesellschaft den Genozid von 1994 zunehmend konflikthaft und mitunter ausgesprochen gewaltvoll aufarbeitet. In diesem Zusammenhang spielt die Zielgruppe der so genannten „Abunzi“, die auf Sozialraumebene tätige Mediatoren, eine protagonistische Rolle. Diese wurden von der ruandischen Regierung vor ca. zwei Jahren per Gesetz für die Regelung von Konflikten verantwortlich erklärt. Im August 2008 wurden sie in ca. 20.000 Wahlkreisen für eine Laufzeit von fünf Jahren neu gewählt.
Laufende ZFD-Projekte
Das ZFD-Programm des DED „Friedensförderung in der Großen Seen Region durch die Unterstützung des innerruandischen Versöhnungsprozesses“ umfasst insgesamt sieben Fachkraftplätze sowie eine Koordinatorenstelle:
• Am Projektplatz Kimisagara berät eine Friedensfachkraft das JugendzentrumMaison des Jeunes Kimisagara (MJK) beim Aufbau eines Kompetenzzentrums für Friedensförderung und Konfliktbearbeitung in der Region der Großen Seen.
• Die Kooperation mit der Nichtregierungsorganisation Umuseke in der an der kongolesischen Grenze gelegenen Distrikthauptstadt Kamembe (Cyangugu) strebt den Aufbau von grenzüberschreitenden Dialogstrukturen für Friedensallianzen an.
• Ebenso ausgerichtet ist die Partnerschaft mit der Nichtregierungsorganisation Vision Jeunesse Nouvelle in Gisenyi, der Schwesterstadt der kongolesischen Provinzhauptstadt Goma.
• Auch in der der südruandischen Universitätsstadt Butare steht der Große-Seen-Bezug im Vordergrund, dort besonders das Netzwerk mit burundischen Partnern. Die Nichtregierungsorganisation Never Again Rwanda hat das Ziel, die Kenntnisse und Fertigkeiten in Methoden Ziviler Konfliktbearbeitung auf Gemeindeebene zu verbessern.
• Die Zusammenarbeit mit der Nationalen Kommission für den Kampf gegen den Genozid ist dem Bemühen verpflichtet, konfliktsensible Formen der Vergangenheitsbewältigung zu entwickeln, sowohl im pädagogischen Bezug als auch im Kontext der öffentlichen und offiziellen Gedenk- und Erinnerungskultur.
• Auch die Projektträgerschaft des Instituts der Nationalmuseen in Ruanda steht mit der Aufarbeitung der gewaltvollen ruandischen Vergangenheit im Zusammenhang. Langfristiges Ziel der Partnerschaft ist der Aufbau eines Friedensmuseums. In der ersten Phase steht dabei die Konzeptentwicklung für die Vermittlung und Auseinandersetzung mit der ruandischen Zeitgeschichte im Vordergrund
• In der Zusammenarbeit mit IBUKA, der Dachorganisation der Genozidüberlebenden, geht es um den Aufbau und die Konsolidierung eines landesweiten Netzwerks für psychosoziale Traumabearbeitung
Kontakt
Sven Reuter
Tel.:0228/2434-212
E-Mail: mailto:matthias.ries@ded.de

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